Zeitzeugin erzählte vom Zweiten Weltkrieg 

Geschichte hautnah im Kursana Domizil Bremen: In einer bewegenden Fragestunde erfuhren Zehntklässler aus zwei Inklusionsklassen der Oberschule In den Sandwehen von Bewohnerin Carla Fangmann (89), wie ihr Alltag als Kind im Nationalsozialismus aussah.

Zeitzeugin erzählte vom Zweiten Weltkrieg 


Eine besondere Unterrichtsstunde erlebten zehn Schülerinnen und Schüler aus Inklusionsklassen der Oberschule In den Sandwehen im Kursana Domizil Bremen: Bewohnerin Carla Fangmann (89), die beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 fünf Jahre alt war, berichtete den Teenagern von ihrem Alltag als Kind im Nationalsozialismus in Bremen. Sogar zur Frage nach der Anziehungskraft von Adolf Hitler, die den Zehntklässlern mit erhöhtem Förderbedarf besonders unter den Nägeln brannte, konnte die Seniorin eine persönliche Erinnerung beisteuern. „Ich habe ihn als Kind bei einer Parade in Bremen gesehen und erlebt, wie die Erwachsenen dem Führer zugewunken und gejubelt haben“, erzählte Carla Fangmann. „Wir Kinder haben es einfach nachgemacht. Heute würde ich so etwas nicht mehr tun, aber damals war Hitler eine Berühmtheit und ein Hoffnungsträger, der den Menschen viele Versprechen gemacht hat.“

Seit Ostern kooperiert die Schule mit der Senioreneinrichtung im Rahmen des Projektes „Jung trifft Alt“. Als jetzt das Thema „Zweiter Weltkrieg“ im Unterricht behandelt wurde, entstand der Wunsch nach einem Gespräch mit einer Zeitzeugin. Sonderpädagogin Sarah Hartbrecht hatte mit den Teenagern die Fragen für das Treffen mit Carla Fangmann vorbereitet und war von der Begegnung im Domizil sehr beeindruckt.  „Die Schülerinnen und Schüler hingen Frau Fangmann eine Stunde lang an den Lippen und wollten gar nicht, dass das Gespräch endet“, erzählt sie. „Ich hatte den Eindruck, dass es ein Geben und Nehmen war, denn die Bewohnerin hat sich über das Interesse der Klasse sehr gefreut.“

Aus Carla Fangmanns Erzählungen wurde der Kriegsalltag für die Teenager auf bewegende Weise nachvollziehbar: Die Seniorin berichtete davon, dass Strom nur für Lampen und ein Radiogerät genutzt wurde. Durch den Mangel an Essen und Kleidung musste die Familie kreativ sein: Windeln bestanden aus zugeschnittenen Stoffresten, und der Vater fertigte für Carla Fangmann und ihre vier Geschwister Schuhe aus Holzlatten und Bändern an. Bei Bombenalarm musste Carla Fangmann als Schülerin in den kleinen Schulkeller flüchten, später verlor ihr Vater bei einem Fliegerangriff sein Augenlicht. Die Erlebnisse der älteren Schwester beim Bund Deutscher Mädchen wurden zu Hause nie thematisiert, so wie in der Familie auch später nie über den Krieg gesprochen wurde.

„Die Schüler waren bei dem wertvollen Zeitzeugenbericht mit Herz und Verstand dabei und haben sich sehr viel merken können“, sagt Sarah Hartbrecht, die das Treffen anschließend im Unterricht ausgewertet hat. „Einige Schüler haben einen aktuellen Bezug hergestellt und sich gefragt, ob angesichts aktueller Krisen erneut ein Weltkrieg möglich wäre. Andere meinten, sie hätten gelernt, dass man Wahlversprechen von politischen Parteien kritisch hinterfragen müsse.“ Auch im Kursana Domizil wurde das Gespräch anschließend auf dem Wohnbereich thematisiert. „Frau Fangmann war davon beeindruckt, dass die Schüler so gut vorbereitet waren und sehr respektvoll mit ihr umgegangen sind“, sagt Jennifer Kerschek, Leiterin der sozialen Betreuung. „Sie wäre jederzeit wieder zu einem Einsatz als Zeitzeugin für die junge Generation bereit.“

Foto: Bewohnerin Carla Fangmann aus dem Kursana Domizil Bremen berichtete den Schülerinnen und Schülern aus Inklusionsklassen der Oberschule In den Sandwehen, ihrer Lehrerin Sarah Hartbrecht und zwei Klassenassistenzen von ihren Erlebnissen während der NS-Zeit.

©Kursana, Abdruck honorarfrei

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Sabine Häßner, Direktorin
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